Wie unpassend kann eine Werbung eigentlich gestaltet sein? Natürlich war Google Street View im vergangenen Jahr ein beliebtes und heiß diskutiertes Thema in Deutschland. Ich hatte auch das Gefühl das es zwischenzeitlich wie gerufen kam für einige Medien um das Sommerloch zu stopfen.
Da wird sich nun jemand bei WDR2 oder der laut eigenen Webseite beauftragten Werbeagentur vierviertel gedacht haben: “Ey, dieses Schtriet Wieuu oder wie datt heißt ne, datt is ma n Aufhänger, kennen ‘se alle!” Und irgendjemand wird geantwortet haben: “Jau!”.
Klar, Aufhänger sind gut, gute Aufhänger sind besser. Doch wenn die Botschaft nicht zum Aufhänger passt, geht der Schuss schnell nach hinten los. Dieses Bild entdeckte ich in Düsseldorf, an einer Bushaltestelle.
Scheinbar mag da jemand Google nicht. Aber gleich so gehässig werden? Wir sind zwar aktuell (mal) wieder in einer Migrationsdebatte, da kann man schon mal – geringeren Intellekt, extreme Kurzsichtigkeit, oder schlichtweg genug Ausländerfeindlichkeit vorrausgesetzt – rufen: “Hau ab!”. Aber der Anlass wird wohl eher folgender gewesen sein: Google Street View kennt ja jeder, und bei der Anzahl an Widersprüchen gegen die Ablichtung des Hauses bei Street View muss man ja eine gewaltige Lobby haben wenn man gegen Google schreibt. Wieviel waren das noch gleich? 244.237Haushalte wiedersprachen Google. Wow, das sind viele!
Problem an der Sache ist, 244237 Widersprüche waren es deutschlandweit. Rechnen wir das kurz mal runter: ~40.000.000 Haushalte in der guten alten BRD, gut 250.000 Google-Gegner, das macht pi mal Daumen: circa 0,625% Natürlich müsste man das noch auf das Sendegebiet herunterrechnen, aber viel ausmachen sollte das nicht.
Mutig eine Kampagne zu starten bei der man sich nur bei einem halben Prozent der Bevölkerung sicher sein kann einen positiven emotionalen Nenner zu haben. Noch mutiger ist es so eine Kampagne in einer “kreativen” Stadt wie Düsseldorf zu veranstalten. Einfach nur dumm ist es dieses Plakat an der Bushaltestelle neben einem größeren IT-Dienstleister anzubringen.
Liebes WDR2, ich hätte euch eigentlich etwas mehr Web-Kompetenz zugetraut, grade bei den mitunter guten Angeboten der öffentlich-rechtlichen im Netz. Aber mit dieser Kampagne schlagt ihr nur in die eh schon zu große Kerbe “Verlage gegen das böse Internet” Marke Google News.
Man hätte auch folgende Sprüche genau so gut verwerten können: “Danke Wikileaks, aber wir wissen dass unsere Politiker Idioten sind” oder “Danke Herr Sarrazin, aber wir wissen dass Juden minderwertiges Erbmaterial haben”. Ok, beim letzteren wäre die Deplaziertheit des Spruchs wohl schneller jemandem aufgefallen, aber gehässig, fehl am Platz und dumm sind sie alle.
Zum Schluss bleibt mir nicht mehr zu sagen als:
“Ein Bild sagt mehr als tausend Worte”


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