Travelers Almanach Teil I

So, nun denn, wie angekündigt der erste Teil meiner Reihe die euch das Reisen mit der Bahn ein wenig angenehmer gestalten soll.

Schon mal so ein Bild gesehen?

Übersicht am Düsseldorfer Bahnhof während des "Schneechaos"Aufgenommen während des “Winterchaos” Ende letzten Jahres im Düsseldorfer Hbf.

Da kann einem schon mal Angst und Bange werden, aber ich hoffe ich kann einigen von euch helfen in Zukunft auch in solchen Situationen ruhig und entspannt ans Ziel zu kommen.

Fangen wir heute mal mit dem wichtigsten an:
Die Einstellung

Viele Leute die ich an Bahnhöfen, in den Bahnen und sonst wo sehe haben einfach schon mal grundsätzlich die falsche Einstellung im Bezug auf Reisen, den Heimweg oder einfach die Bahn. Da werden Sprüche proklamiert dass Verspätungen eine Frechheit seien, jeder Zug unpünktlich sei oder, auch immer gern genommen, die Leute bei der Bahn ja alle keine Ahnung haben.
Nicht nur, dass die Aussagen schonmal grundsätzlich fernab jedlicher Realität sind, vielmehr steigert man sich selbst auch in eine Stimmung, die das warten für sich und für andere zur Qual macht.

Am besten ihr befolgt den Rat eines weisen Robotors aus Neu New York:

 

  • “Du musst dich in eine gesunde Leck-Mich-Am-Arsch-Stimmung versetzen”
  • “Ihr könnt mich an meinem blanken Metallarsch lecken!”

Wenn ihr mit einer gewissen Grundruhe durch den Bahnhof und den Zug geht, und ein wenig entspannt seid, kann euch zumindestens schon mal eine Verspätung von 5-10min erstmal nichts anhaben. Nervige Fahrgäste werden je nachdem wie penetrant sie sind schon schwieriger, man kann aber auch mit ihnen klar kommen.

Wie das gut funktioniert verrate ich euch dann im nächsten Kapitel.

Back in Time

So, nach viel zu langer Abstinenz – ich hatte sogar mein WordPress Passwort vergessen :O – jetzt endlich mal wieder neues von mir, bzw sowieso mal ein bisschen was von mir.

Bin gut ins neue Jahr gekommen, im Dezember mit meiner Band mittendurch ein kleines Weihnachtskonzert gegeben, war zweimal in Süddeutschland, einmal beruflich und einmal beim DFB Pokal Spiel Augsburg gegen Schalke.

Kurzum: viel erlebt, viel Spaß gehabt :)

Soooo und jetzt was ich mir neulich (grade um Weihnachten herum) gedacht habe: Ich werde in nächster Zeit kapitelweise einen kleinen “Deutsche Bahn Almanach” schreiben, mit nützlichen Tipps & Tricks wie man entspannt mit der deutschen Bahn fahren kann. Denn so schlimm ist es wirklich nicht wie man immer von allen Seiten in die Ohren gejammert bekommt.

Außerdem werde ich die Tage großes wagen, und zwar Linux auf einem Toshiba Netbook installieren auf dem eigentlich nur Android läuft. Drückt mir die Daumen dass das klappt :D Bei Interesse schreib ich dazu dann auch noch einen “How to” bzw eher einen “How you shouldn’t do it, but i tried and it still works…at least kind of”.

Ansonsten, bis die Tage dann erstmal, zum ersten Teil des Almanach :D

MfG, Max

Das Märchen vom freien Internet

So, frisch aus München wieder da, und nun geht’s an den in den letzten Tagen schon vorbereiteten Artikel :)

Seit Wochen stellt sich mehr und mehr die Frage in wie weit das Internet eine freie Kommunikationstruktur ist, bleibt, bleiben kann oder jemals war.

Veröffentlichungen geheimer Dokumente  gab es schon immer, daran hat Wikileaks oder gar das Internet nichts geändert. Was aber auffällt ist der enorme politische Druck dem Einhalt zu gebieten. Wikileaks Gründer Assange wird mit internationalem Haftbefehl gesucht, was völlig ungeachtet seiner Schuld oder Unschuld bezüglich seiner Anklage definitiv überzogen ist, wurde doch der internationale Haftbefehl von der Interpol ins Leben gerufen um bekannte, hochgefährliche Terroristen, Mörder oder ähnliche Gewaltverbrecher Europaweit ins Visier zu nehmen.

Ich möchte damit nicht sagen dass es Bob Woodward und Carl Bernstein 1972 einfacher hatten als sie den Watergate Skandal aufdeckten, sie wurden zwar bedroht, aber nicht sofort von der Polizei gejagt. Obwohl, so muss man feststellen, ihre Veröffentlichungen weitaus größere Ausmaße hatte als die sogenannte #cablegate -Affäre heute durch wikileaks. Immerhin kostete “Watergate” Nixon damals  das Amt des US-Präsidenten.

Watergate wurde damals als großer Sieg der Pressefreiheit heute wird wikileaks in der Öffentlichkeit kriminalisiert, Großkonzerne wie Amazon, Mastercard und Paypal stellen die Zusammenarbeit ein und oben drauf sperrt die amerikanische Luftwaffe die Internetseiten von spiegelonline, The Times und dem Guradian, weil sie über die wikileaks Enthüllungen berichteten. Erschreckend was alles was alles angestellt wird um einer kleinen Seite den gar aus zu machen. Zugegeben, die “Rache”-Aktion “Operation Payback” trägt nicht grade dazu bei wikileaks als journalistische Organisation darzustellen die sie eigentlich ist, dennoch zeigt die Motivation wie wichtig vielen die freie Informationsweitergabe im Netz ist.

Doch nicht nur vom politischen Ufer droht dem Internet eine Beschneidung der Freiheit. Einige große Telekommunikationsanbieter wie z.b. die Deutsche Telekom, aber auch einige US-Unternehmen drängen dazu einen der wichtigsten Grundsätze des www at acta zu legen: die Netzneutralität.

Netzneutralität heißt einfach gesagt: “Alle Pakete sind gleich”. Egal woher ein Datenpaket kommt, egal was es beinhaltet und egal wo es hingeht, es ist immer gleich zu behandeln, nichts wird vorrangig weiter geroutet, nichts zurückgehalten, es gibt keine schnelleren Routen für die extra abkassiert werden kann.

Grade letzteres stört verständlicherweise Obermann & Co, grade in den USA eskaliert zur Zeit ein Streit zweier Netzanbieter, da einer der beiden einen Videodienst betreibt, und dadurch vergleichsweise viel Traffic im Netz des Konkurrenten verursacht. Bis dato wurden sich etwaiige Gebühren gegenseitig erlassen. Es bleibt abzuwarten wie weit die Lobbys den Druck auf die Politik erhöhen und wann (nicht ob) hierzulande die Regierung einknickt. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und der FDP wurde noch eine Unterstützung der Netzneutralität beschlossen.

So oder so, im Internet zieht ein Shitstorm, ach quatsch, ein Sturm auf. Viele sind zurecht verärgert über die Zensur und Restriktionsversuche der Regierungen um irgendwie das Internet unter ihre Kontrolle zu bekommen. Viele werden sich wehren, die nächsten Jahre im Netz werden sicher spannend, aber wahrscheinlich nicht unbedingt rosig.

“Begonnen, der Angriff der Internetausdrucker hat!”

WDR2 & Google

Wie unpassend kann eine Werbung eigentlich gestaltet sein? Natürlich war Google Street View im vergangenen Jahr ein beliebtes und heiß diskutiertes Thema in Deutschland. Ich hatte auch das Gefühl das es zwischenzeitlich wie gerufen kam für einige Medien um das Sommerloch zu stopfen.

WDR2 Werbekampagne

Da wird sich nun jemand bei WDR2 oder der laut eigenen Webseite beauftragten Werbeagentur vierviertel gedacht haben: “Ey, dieses Schtriet Wieuu oder wie datt heißt ne, datt is ma n Aufhänger, kennen ‘se alle!” Und irgendjemand wird geantwortet haben: “Jau!”.

Klar, Aufhänger sind gut, gute Aufhänger sind besser. Doch wenn die Botschaft nicht zum Aufhänger passt, geht der Schuss schnell nach hinten los. Dieses Bild entdeckte ich in Düsseldorf, an einer Bushaltestelle.

Scheinbar mag da jemand Google nicht. Aber gleich so gehässig werden? Wir sind zwar aktuell (mal) wieder in einer Migrationsdebatte, da kann man schon mal – geringeren Intellekt, extreme Kurzsichtigkeit, oder schlichtweg genug Ausländerfeindlichkeit vorrausgesetzt – rufen: “Hau ab!”. Aber der Anlass wird wohl eher folgender gewesen sein: Google Street View kennt ja jeder, und bei der Anzahl an Widersprüchen gegen die Ablichtung des Hauses bei Street View muss man ja eine gewaltige Lobby haben wenn man gegen Google schreibt. Wieviel waren das noch gleich? 244.237Haushalte wiedersprachen Google. Wow, das sind viele!

Problem an der Sache ist, 244237 Widersprüche waren es deutschlandweit. Rechnen wir das kurz mal runter: ~40.000.000 Haushalte in der guten alten BRD, gut 250.000 Google-Gegner, das macht pi mal Daumen: circa 0,625% Natürlich müsste man das noch auf das Sendegebiet herunterrechnen, aber viel ausmachen sollte das nicht.
Mutig eine Kampagne zu starten bei der man sich nur bei einem halben Prozent der Bevölkerung sicher sein kann einen positiven emotionalen Nenner zu haben. Noch mutiger ist es so eine Kampagne in einer “kreativen” Stadt wie Düsseldorf zu veranstalten. Einfach nur dumm ist es dieses Plakat an der Bushaltestelle neben einem größeren IT-Dienstleister anzubringen.

Liebes WDR2, ich hätte euch eigentlich etwas mehr Web-Kompetenz zugetraut, grade bei den mitunter guten Angeboten der öffentlich-rechtlichen im Netz. Aber mit dieser Kampagne schlagt ihr nur in die eh schon zu große Kerbe “Verlage gegen das böse Internet” Marke Google News.
Man hätte auch folgende Sprüche genau so gut verwerten können: “Danke Wikileaks, aber wir wissen dass unsere Politiker Idioten sind” oder “Danke Herr Sarrazin, aber wir wissen dass Juden minderwertiges Erbmaterial haben”. Ok, beim letzteren wäre die Deplaziertheit des Spruchs wohl schneller jemandem aufgefallen, aber gehässig, fehl am Platz und dumm sind sie alle.

Zum Schluss bleibt mir nicht mehr zu sagen als:

“Ein Bild sagt mehr als tausend Worte”

 

Meine Antwort zur WDR2 Kampagne

Web2.0 - Das Internet

Feierabend vs Deutsche Bahn – a travelers journey

Hier mal eine kleine Geschichte die mir vor zwei Wochen passiert ist. Zugegeben, etwas überspitzt dargestellt, aber inhaltlich genau so passiert:

Mit einem gut gelaunten “Tschööö, schönes Wochenende!” verabschiedete ich mich von den beiden verbleibenden Kollegen der Spätschicht ins vermeintliche Wochenende. Der erste Teil der Heimfahrt lief auch gut, zu gut wie sich später herausstellen sollte. Um kurz nach halb sechs schlenderte ich gemütlich zur Bushaltestelle, an der mich auch bald ein Bus Richtung Düsseldorfer Hauptbahnhof in Empfang nahm. Gekonnt und mit größter Willensstärker und gleichzeitig leerem Portemonnaie wich ich den vor dem Hauptbahnhof aufgebauten Weihnachtsfressbuden aus, obwohl ich den ganzen Tag nur ein Käsebrötchen gegessen hatte und kam sogar pünktlich zum gewohnt unpünktlichen RE5 an Gleis 17 an. Wie gesagt, es lief gut, zu gut.

Bald schon klopfte die Realität der Deutschen Bahn an und weckte mich aus meinen schönen Wochenendträumen untermalt von ACDC und Rise Against. Mittlerweile war es halb sieben und ich befand mich mitsamt Zug im Hauptbahnhof Oberhausen als folgende Durchsage den weiteren Verlauf des Abends einleitete: “Guten Abend meine Damen und Herren, bitte beachten Sie, dass aufgrund einer Weichenstörung zwischen Oberhausen und Dinslaken sich unsere Weiterfahrt um wenige Minuten verzögert”. Nun gut, dachte ich mir, wird halt das Handy zum Zeitvertreib genutzt. Besagte “wenige Minuten” später wurden alle Fahrgäste auf den neusten Stand der Dinge im Bezug der Weichenstörung gebracht, mit der gleichen Einleitung der letzten Durchsage und einem leicht abgewandeltem Ende, welches jedem Pendler einen kalten Schauer über den Rücken jagt: “…verzögert sich auf unbestimmte Zeit”
Inzwischen wurden die installierten Spiele auch langweilig und es wurde sieben bis zur nächsten Durchsage: “Aufgrund der Gleisstörung…” – Hobby-dramaturlogen können sich das Ende des Satzes schon denken – “…endet unser Zug heute in Oberhausen Hbf”. Begleitet von, nennen wir es mal diplomatisch: ” freudiger Zustimmung” der scheinbar zahlreichen Dramatikliebhaber im Abteil, verließen alle Fahrgäste den Zug und begaben sich ihrem Entdeckerdrang nach in die Bahnhofsvorhalle auf der Suche nach weiteren Informationen. Ich bin zwar kein Liebhaber von Alltagsdramatik, aber da ich aktuell auch nichts besseres zu tun hatte, folgte ich unkreativerweise der Masse. Eine Zigarette und ein Anruf später, es war mittlerweile ca viertel nach sieben, machte ich mich auf den Weg zum Gleis an dem der nächste Regional Express erwartet wurde.

Ein Bild wie bei der Rückkehr der Helden von Bern ‘54, nur in Farbe…und kälter…und…ach was solls, in jedem Fall standen ein paar mehr Menschen als normalerweise üblich am Gleis. Man entnehme die Gründe dafür aus dem weiter oben geschilderten Ereignissen.

Es dauerte auch nur noch zwanzig Minuten, es war also mittlerweile halb acht, und tatsächlich, aus der Dunkelheit fuhr ein Zug ein. Sogar ein Zug der in Richtung Heimat fahren sollte. Nicht nur das der Zug einfuhr, er fuhr sogar wenige Minuten später auch wirklich raus. Wäre es nicht so kalt gewesen, ich hätte mich gefreut.

Nach ein paar Minuten Fahrt und dem nächsten erreichten Bahnhof begrüßte der Schaffner alle anwesenden Fahrgäste mit einer altbekannten Durchsage: “Guten Abend meine Damen und Herren, bitte beachten Sie, dass aufgrund einer Weichenstörung zwischen Oberhausen und Dinslaken sich unsere Weiterfahrt um wenige Minuten verzögert”. Die Dramaliebhaber im Zug jubelten vor Freude. Selbst der Altmeister Stephen King hätte es wohl nicht besser hinbekommen. Aber die Geschichte sollte sich an dem Punkt nicht wiederholen, der Zug fuhr nach für mich entspannenden 10min ACDC weiter. Allerdings auch nur kurz, denn erneut meldete sich der Zugführer mit einer erneuten Durchsage und dem Auftakt zum letzten Akt des Dramas par excelance: “Aufgrund einer Bahnübergangsstörung müssen wir auch hier kurz anhalten und warten”.
Mehrere Stephen King Fanatiker verbrannten ihre “ES” Bücher und machten sich auf die Suche nach dem Zugführer.

Das Ende konnte ich leider nicht mehr mit erleben, denn bevor der Zug in Flammen aufging erreichte ich den Dinslakener Bahnhof, untermalt von Hellsbells verließ ich den Zug und verschwand in der Dunkelheit um das restliche Stück zu laufen.

Wikileaks

Wikileaks veröffentlichte zuletzt einigen Klatsch und Tratsch der amerikanischen Außenpolitik. Die Inhalte schwanken – sinngemäß – von “Paapaa, der Iran ärgert! :( ” bis “Der Onkel Westerwelle ist dooooof”. Zusammen gefasst sagen die Nachrichten an die Heimatfront jedoch inhaltlich nicht mehr aus als eine Hand voll “New York Times” Ausgaben vermischt mit einer “Bunte” und eine gute Portion “BILD”, also kaum der Rede wert.

Was aber der vermeintlich geschädigte, Uncle Sam jetzt anzettelt, erinnert mich zwangsläufig an den Iran oder China. Die Wikileaks Seite wird systematisch per DDoS Attacken lahm gelegt, oder die Serverbetreiber (z.B. Amazon) dazu gezwungen (wie, will ich garnicht wissen) die Seite zu verbannen und die entsprechenden DNS Einträge zu entfernen. Heute ist  auch das Wikileaks Spendenkonto bei Paypal wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die Nutzungsbestimmungen gesperrt worden. Wikileaks gehe illegalen Aktivitäten nach, hieß es.

Kurze Frage in die Runde: Was ist an Journalismus bitte illegal?

Schon eine wirklich bemerksenwerte Doppelmoral die die Politik da an den Tag legt. Im März sicherte Obama noch dem Iran Hilfe zu, beim Weg zu einem freien Internet, ohne Zensur:

He promised US efforts to “ensure that Iranians can have access to the software and internet technology that will enable them to communicate with each other, and with the world, without fear of censorship”. - aljazeera.net vom 20.3.2010

Wenn also iranische Oppositionisten twittern wollen dass die Regierung ihnen nicht passt ist das in Ordnung. Wenn amerikanische Diplomaten twittern das alle anderen den Iran auch nicht mögen ist das Landesverrat und gefärdert die Leben hunderter Leute. Ich glaube das Wort “Landesverrat” hat Herr Ahmadinedschad kurz nach seinen Wahlen auch über einige Blogs gesagt. Immerhin war er so konsequent und hat die Blogger verfolgt und einsperren lassen…ach stimmt, da war ja was. Ich will ja niemandem was unterstellen, aber dass so zeitnah ein Haftbefehl gegen Wikileaks Gründer Julian Assange ausgesprochen wird, ist mindestens schonmal ziemlich mysteriös.

Da ich so einer politischen Zensur, die nach außen hin von allen halbwegs demokratisch ausgerichteten Ländern der Welt geächtet wird, auf keinen Fall zustimmen kann, will ich versuchen meinen kleinen Teil für ein freies Internet beizutragen. Da ich leider keinen eigenen Server habe, auf dem ich Wikileaks hosten könnte kann ich euch leider nur mit einem Link dienen den ich in den Comments auf der Seite der Piratenpartei Deutschland gefunden habe:

Außerdem kann ich nur jeden bitten: hostet die Seite, spendet Subdomains! Zeigt der Zensur den digitalen Mittelfinger und erinnert daran:

Das Internet vergisst nichts!


JMStV, Vorurteile und die Politik

Am 1.1.2011 wird wohl wie es aktuell aussieht dank einem einknicken der Grünen im nordrheinwestfählischem Landtag der Jugend-Medienschutz-Staatsvertrag, kurz: JMStV in Kraft treten. Danke Frau Kraft.

Naja, vorher muss ich aber @gruenenrw zitieren:

“Wir sind weiterhin gegen den #JMStV, die Fraktion hat sich aufgrund parlamentarischer Zwänge anders entschlossen.”

Mein erster Gedanke war, hätten sie auch gleich schreiben können: “Wir scheißen auf unsere Prinzipien, schließlich sitzen wir im Landtag, sind wichtig und können erstmal die Eier baumeln lassen”. Das hätte auch in einen Tweet gepasst und das gleiche ausgesagt.

Ob ein fallenlassen der eigenen Meinung gegenüber einer Mehrheit grundsätzlich politisch ähnlich gerichteter Leute nun ein Grundprinzip der Demokratie darstellt, oder den Sinn demokratischer Verhandlungen mit Füßen tritt will ich jetzt garnicht genauer thematisieren. Was dabei allerdings fest steht: Die Grünen werden wohl nicht ohne einen Imageschaden aus der Angelegenheit heraus kommen.

Wie auch immer, ich möchte ja eigentlich über den JMStV schreiben. Einige haben schon angekündigt ab dem 1.1.2011 ihre Aktivitäten aufgrund der Altersbezeichnung einzustellen. Zu unrecht, wie ich finde.

Denn so mies sich das ganze auch anhört, umso harmloser ist es schlussendlich dann doch, so zu mindestens zu lesen bei Udo Vetters law blog:

Es gibt, entgegen vieler Darstellungen, keine generelle Pflicht zu einer Alterskennzeichnung. Nur wer Inhalte anbietet, die ausschließlich für Nutzer ab 16 oder 18 Jahren geeignet sind, muss entweder eine Alterskennzeichnung einführen oder seine Inhalte tagsüber sperren.

Da wohl die wenigsten Blogger hierzulande Inhalte anbieten die explizit nur für Jugendliche über 16 oder 18 Jahren geeignet sind, so wird ein großes Blogsterben wohl ausbleiben. Insbesondere da ich genau wie Udo Vetter finde dass wenn einem was nicht passt das simple in die Ecke setzen und schmollen wohl die Ineffizienteste aller Möglichkeiten ist was zu ändern.

Nichtsdestoaber…

Was der JMStV wohl deutlich zeigt ist dass der Politik auch nach Bundestrojaner, Vorratsdatenspeicherung, Stopschildern und anderen Fehlgriffen im Internet immer noch nicht gelernt hat was das Internet ist.  Wahrscheinlich halten einige der hohen Herrschaften in den Sitzen und Bänken der Land und Bundestage einen regelmäßig erscheinenden Blog für das genaue Gegenstück eines wochenweise erscheinenden Magazins und die Inhalte von Youtube für eine Videothek mit Ausleihfilmen ausschließlich großer Medienkonzerne. Was mal in die Köpfe müsste ist, dass das Internet in Zeiten von Web2.0 eine geteilte “Kopie” der Erlebnisse, Gedanken und Meinungen der Menschen ist die es füllen, keineswegs “angebotene Inhalte” in klassischer Form.

Andererseits, beim Überwachungs- und Regulierungswahn unserer werten Vertreter würde ich mich nicht wundern wenn ich mir bald einen großen roten FSK18 Aufkleber auf die Stirn kleben darf wenn ich an einem Samstagmorgen auf dem Markt inmitten von Menschen einmal laut: “Penis!” rufe.

Vielleicht sind die Grünen bis dahin auch bei den Grundrechten auf freie Meinungsäußerung in Bild, Schrift und Ton eingeknickt und ich darf garnichts mehr öffentlich ohne dreifache Genehmigung sagen. Aber genug Orwellscher Überwachungsstaat, so weit wird es dann doch nicht allzu schnell kommen, denn die Grünen NRW sind beim einknicken schon wieder eingeknickt und haben signalisiert Gespräche mit der SPD Fraktion zu führen weil sie ja doch immer noch dagegen sind dafür zu sein oder so.

In diesem Sinne: Die Zukunft ist grün!

Max