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Feierabend vs Deutsche Bahn – a travelers journey

Hier mal eine kleine Geschichte die mir vor zwei Wochen passiert ist. Zugegeben, etwas überspitzt dargestellt, aber inhaltlich genau so passiert:

Mit einem gut gelaunten “Tschööö, schönes Wochenende!” verabschiedete ich mich von den beiden verbleibenden Kollegen der Spätschicht ins vermeintliche Wochenende. Der erste Teil der Heimfahrt lief auch gut, zu gut wie sich später herausstellen sollte. Um kurz nach halb sechs schlenderte ich gemütlich zur Bushaltestelle, an der mich auch bald ein Bus Richtung Düsseldorfer Hauptbahnhof in Empfang nahm. Gekonnt und mit größter Willensstärker und gleichzeitig leerem Portemonnaie wich ich den vor dem Hauptbahnhof aufgebauten Weihnachtsfressbuden aus, obwohl ich den ganzen Tag nur ein Käsebrötchen gegessen hatte und kam sogar pünktlich zum gewohnt unpünktlichen RE5 an Gleis 17 an. Wie gesagt, es lief gut, zu gut.

Bald schon klopfte die Realität der Deutschen Bahn an und weckte mich aus meinen schönen Wochenendträumen untermalt von ACDC und Rise Against. Mittlerweile war es halb sieben und ich befand mich mitsamt Zug im Hauptbahnhof Oberhausen als folgende Durchsage den weiteren Verlauf des Abends einleitete: “Guten Abend meine Damen und Herren, bitte beachten Sie, dass aufgrund einer Weichenstörung zwischen Oberhausen und Dinslaken sich unsere Weiterfahrt um wenige Minuten verzögert”. Nun gut, dachte ich mir, wird halt das Handy zum Zeitvertreib genutzt. Besagte “wenige Minuten” später wurden alle Fahrgäste auf den neusten Stand der Dinge im Bezug der Weichenstörung gebracht, mit der gleichen Einleitung der letzten Durchsage und einem leicht abgewandeltem Ende, welches jedem Pendler einen kalten Schauer über den Rücken jagt: “…verzögert sich auf unbestimmte Zeit”
Inzwischen wurden die installierten Spiele auch langweilig und es wurde sieben bis zur nächsten Durchsage: “Aufgrund der Gleisstörung…” – Hobby-dramaturlogen können sich das Ende des Satzes schon denken – “…endet unser Zug heute in Oberhausen Hbf”. Begleitet von, nennen wir es mal diplomatisch: ” freudiger Zustimmung” der scheinbar zahlreichen Dramatikliebhaber im Abteil, verließen alle Fahrgäste den Zug und begaben sich ihrem Entdeckerdrang nach in die Bahnhofsvorhalle auf der Suche nach weiteren Informationen. Ich bin zwar kein Liebhaber von Alltagsdramatik, aber da ich aktuell auch nichts besseres zu tun hatte, folgte ich unkreativerweise der Masse. Eine Zigarette und ein Anruf später, es war mittlerweile ca viertel nach sieben, machte ich mich auf den Weg zum Gleis an dem der nächste Regional Express erwartet wurde.

Ein Bild wie bei der Rückkehr der Helden von Bern ‘54, nur in Farbe…und kälter…und…ach was solls, in jedem Fall standen ein paar mehr Menschen als normalerweise üblich am Gleis. Man entnehme die Gründe dafür aus dem weiter oben geschilderten Ereignissen.

Es dauerte auch nur noch zwanzig Minuten, es war also mittlerweile halb acht, und tatsächlich, aus der Dunkelheit fuhr ein Zug ein. Sogar ein Zug der in Richtung Heimat fahren sollte. Nicht nur das der Zug einfuhr, er fuhr sogar wenige Minuten später auch wirklich raus. Wäre es nicht so kalt gewesen, ich hätte mich gefreut.

Nach ein paar Minuten Fahrt und dem nächsten erreichten Bahnhof begrüßte der Schaffner alle anwesenden Fahrgäste mit einer altbekannten Durchsage: “Guten Abend meine Damen und Herren, bitte beachten Sie, dass aufgrund einer Weichenstörung zwischen Oberhausen und Dinslaken sich unsere Weiterfahrt um wenige Minuten verzögert”. Die Dramaliebhaber im Zug jubelten vor Freude. Selbst der Altmeister Stephen King hätte es wohl nicht besser hinbekommen. Aber die Geschichte sollte sich an dem Punkt nicht wiederholen, der Zug fuhr nach für mich entspannenden 10min ACDC weiter. Allerdings auch nur kurz, denn erneut meldete sich der Zugführer mit einer erneuten Durchsage und dem Auftakt zum letzten Akt des Dramas par excelance: “Aufgrund einer Bahnübergangsstörung müssen wir auch hier kurz anhalten und warten”.
Mehrere Stephen King Fanatiker verbrannten ihre “ES” Bücher und machten sich auf die Suche nach dem Zugführer.

Das Ende konnte ich leider nicht mehr mit erleben, denn bevor der Zug in Flammen aufging erreichte ich den Dinslakener Bahnhof, untermalt von Hellsbells verließ ich den Zug und verschwand in der Dunkelheit um das restliche Stück zu laufen.